zurück

Image by FlamingText.com

Das Geschlecht von Bünau zu Aufenau

von Martin Schäfer

 


Wo die Bracht in die Kinzig fließt, verwandelt die Gewalt des Schmelzwassers vom Vogelsberg das mittlere Kinzigtal oft in einen großen See. Der von Orb vorstoßende Aufenauer Berg schiebt sich wie ein Keil in das Kinzigtal und trennt sichtbar die große Wasserfläche in eine untere und obere Aue. Nach der oberen Aue erhielt hier die alte Siedlung Aufenau (übenawe = Obere Aue!) ihren Namen.
Schon im Jahre 886 (R. 1, 36) werden in einer Grenzbeschreibung des Kirchspieles Salmünster, die diesem Orte schräg gegenüber am Südufer der Kinzig liegenden Orte Uvenuw und Heregisesfeld genannt, letzteres kinzigabwärts an der Mündung des Heresbaches, heute Hirschbach, gelegen.
Für das Jahr 1160 (Reimer 1, 100) erfahren wir über die Kirche in Aufenau, daß diese Basilika mit großem Besitz und allen Einwohnern vom Kloster Fulda als Besitz des Klosters Schlüchtern bestätigt wird. Bei dieser alten Kirche in Aufenau, die heute hart an der Leipziger Straße durch das Kinzigtal liegt, stand südlich der Straße die älteste Burg von Aufenau, der "torn" = Turm, der das Mittelalter hindurch von verschiedenen adeligen Geschlechtern bewohnt und noch Zerstörung immer wieder neu erstellt oder doch umgebaut wurde.

Zuerst wird von diesen niederen Adelsgeschlechtern ein Ludwig v. Buna 1279 (Scharnat 11, 6i) bekannt, der fuldische Lehen weiterverkaufte. Am 31.12.1311 (Reimer 1, 110) steht die Witwe des Edelknechtes Echardus I. de Bünahe, genannt Adelheit, vor dem Gerichte in der Stadt Geylenhusen, wo sie bei der Stadt Friedberg liegende Güter an das Kloster Arnsburg verkauft im Einverständnis mit den Erben, ihren Kindern Ortwinus, Lysa und Alheidis. Zeugen sind bei diesem Verkauf: Hartmann de Breydinbach, Ortwinus Grosz, Friedericus an.der Eckin, Wenzel Füzichin, Johannes de Creynfeld, Syfried de Breydinbach und andere Schöffen und Gelnhäuser Bürger. Die Originalurkunde liegt im Staatsarchiv Marburg.
Ein Echart v. Büna II. ist am 12.7.1336 (R. II, 470) Schwiegersohn des Gocze v. Orb, der mit seinen Brüdern Ludwig und Gerlach v. Orb den Eckart v. Buna und seine Frau Gude in ihre Erbengemeinschaft aufgenommen hat als Mitbesitzer des Weinzehnten am Neuenberg bei Gelnhausen. Der gleiche Eckehart v. Bunowa ist Zeuge bei Güterverkäufen 1338 und 1343 (Reimer II, 503).
- Ein Eckart v. Buna, Edelknecht und seine Frau Rune verkaufen am 28.8.1383 dem Dechanten des Stiftskapitels zu Aschaffenburg ihr Haus in Geylhusen in der Unterhaitzergasse für 132 Gulden vor Schultheiß und Schöffen zu Gelnhausen am Gericht. Dieser Eckart v. Bona siegelt auch die Verkaufsurkunde mit dem Siegel derer v. Bunau. Das Siegel aus braunem Wachs habe ich im Stiftsarchiv zu Aschaffenburg gesehen und gemessen: Es ist aus braunem Wachs, hat 30 mm Durchmesser und gleicht in Form und Inschrift vielen anderen Wappen derer v. Bünau, die in den Archiven zu Büdingen und Aschaffenburg liegen. Es hat auf seinem Schilde einen leicht gebogenen Rechtsbalken.

Am 30.12.1347 (Reimer III, 717) ver lieh Ulrich III., Herr zu Hanau, an Eckart II. v. Bünau und seine Frau Gude ein Burglehen zu Gelnhausen "als Burgmann zu Hanau", aber Wohnung und Einkommen zu Gelnhausen, nämlich eine Mark Wetterauer Pfennig (= 20 Pfd. Geld, je 3 Heller für 2 Pfg. zu rechnen), dazu unser Haus zu Geylnhusen in der Vorburg, hart da wo bisher Ludwig v. Orb wohnte an Forstmeisters Gesäß, andererseits an Hermann Füßchens Wiesen gelegen.
Am 23.9.1350 (Reimer III, 17) bestätigen laut Urkunde derselbe Edle Eckart v. Bünach und seine eheliche Wirtin Gude, auch Burgleute zu Geylnhusen, daß eine ihm bis jetzt gehörende Korngülte von 6 Malter Korn jährlicher Lieferung an das Kloster Meerholz verkauft wurde, auch gleich voll bezahlt. Als Zeugen dieses Verkaufes werden genannt der strenge Ritter Heinrich v. Quiddenbaum, die Edelknechte Arnold Blümchen, Eckart v. Bleichenbach und viel guter Leute. Diese Urkunde siegelt Eckart v. Bünach mit dem Siegel seines Geschlechtes. Nach diesem Siegel im Ys. Archiv zu Büdingen ist das hier abgedruckte Siegelbild gezeichnet.

Die Stadt Gelnhausen gab am 10. 11. 1358 (Reimer III, 279) an Eghart v. Büna und seine Ehefrau Gute für ihre Freundschaft und Förderung das Gelnhäuser Bürgerrecht und beschränkte ihre Steuer auf ein Pfund Heller jährlich, dieweil "sie bei uns baulich sitzen".
Am 31.7.1366 (Reimer IV, 22) bittet Bertold v. Büna, der Prior des Klosters Selbold, den Rat der Stadt Gelnhausen, die dort lagernden Weine ausschänken zu dürfen, da die "Wine leicht verliegen", was auch erlaubt wurde.
Am 12.7.1376 (Reimer IV, 20) quittierte Dietrich Gudel durch öffentlich ausgestellten Brief, daß er von seinem Bruder Eghard v. Buna und Anne, seiner ehlichen Wirtin, für den Weinzehnten am Neuenberge bei Gelnhausen indirekt durch Hartung Hellegrefe und Alheyde seine ehliche Wirtin, erhalten habe den Betrag von 150 Gulden. Zeugen sind hierbei Ritter Werner Kolling, Hardtung Hellegrefe, Syfried v. Breydenbach und andere guten Leute.
Am 10.10.1380 (Reimer IV. 201) verpflichten sich Eghart v. Büna und Anne, seine ehliche Wirtin, dem Gelnhäuser Bürger Hans Kloppel und seiner Ehefrau Dyne auf St. Martinstag 9 Schilling Zinsen uff St. Martinstag, als Zinses Recht ist, auch 4 Hühner und 1 Gans uff den Kebeler Tag (21. September) von der Hofreide und dem Garten, gelegen zu (Alten-)Hasela neben Heintzens Hofreide in dem Steinhause unten uff der Bach, da Gudechin Ruppeln inne wohnt, zu zahlen. Zu Urkund und Sicherheit hat er sein eigen lngesiegel an diesen Brief gehängt.
Am 26.1.1384 (Reimer IV, 348) kaufen Eghart v. Bünaw und Anne seine ehliche Wirtin, vom Selbolder Abt Johann v. Bleichinbach und anderen zunächst ein Haus, zu Gelnhausen in der untersten Haitzergassen gelegen an der Nunnen Hof von Meroldis, um 150 Gulden, dazu eine Unschlittgülde "36 pfund unslechtis, die Ebirhard Scherer gibt alle Jahr von einer Fleischschirn um 150 guter Gulden".
Auch verzichtet das Kloster auf versessene Gulden uff den Sant Jost-Altar. Es siegelt der Abt von Selbold.
Am 15.2.1384 (Reimer, IV, 350) verkaufen Helwig Koczer und seine Frau Huse Korngülten und Wiesen in den Gemarkungen Rothenbergen, Niedermittlau und Meerholz. Wiesen und Äcker mit ihren Abgaben sind nach Recht und Gewohnheit vor dem Märkergericht aufgegeben, auch der Wiederkauf ausbedungen. Auf Bitten der Verkäufer hängen jedoch der Pfarrer zu Grinda Bechtold v. Buna , und Friedrich Enkeymer, der Prior zu Kloster Meerholz ihre Siegel an, da die Güter in den zwei Gerichten Selbold und Grinda liegen.
Am 25.11.1350 (Reimer IV, 11) verkauften Diedrich und Eghart v. Buna und dessen Ehefrau Guda (auch Gudel) dem Kloster Himmelau den Hof zu Aldin Hasela, da Velkelder uffsaß.
Am 6.10.1394 (Reimer IV, 678) hatten Ekhart und Henne d. A. v. Bünauwe, Gebrüder, einen Kaufbrief ausgestellt über ihr Drittel Anteil, des Weinzehnten am Neuenberg bei Gelnhausen,an Henne v. Erlenbach und Lukarde, seine Hausfrau, welchen Verkauf sie aber danach rückgängig machten.
Am 24.12.1400 (R. IV, 870) verkauft Henne v. Bonauwe d. J. an Hermann und Henne, seine Vettern, wiederkäuflich Güter zu Fischborn, Sorrod, Gettenbach u. Altenmittlau, nämlich ein Gut zu Fischborn vor Salmünster , das innehatte Cunz Stichel, ein Bürger zu Salmünster, das lieferte 3 Malter Salzgülte u. 1 Fastnachtshuhn, ebenso Gefälle in Sarrod u. besonders zu Altenmittlau.

Nach dem Jahre 1400 kommen Mitglieder der Familie v. Bünau nur noch als Burgmann der Reichsburg Gelnhausen und außerhalb des Kinzigtales sporadisch vor. In den Jahren 1412-13 stellte ein Hermann v. Bünau an die Stadt Frankfurt Schadenersatzansprüche wegen der Zerstörung seines väterlichen Wohnsitzes in der Burg Gelnhausen, als die Stadt Frankfurt mit den anderen Wetterauischen Städten gegen Raubritter vorging. So beraubte ein Henne v. Bünau um 1420 den Frankfurter Kaufmann Henne Stoler (Jung, Fra. lnv. I, 75 u.. 102).
Andererseits belegte Kaiser Sigismund 1418 (Fr. lnv. IV, 74) aufgrund einer Klage des Henne v. Bünau die Stadt Fulda mit der Acht. Auch ein ,Henne v. Bünau hatte 1407 Ansprüche an die Stadt Frankfurt a. M. wegen Zerstörung der väterlichen Wohnung in der Burg Gelnhausen.
Der schon genannte Hermann v. Bünau erwarb 1404 (Schlüchterner Heimat 1918, 91) in der Stadt Salmünster eine Burgliche Wohnung innerhalb der festen Stadtmauern bei dem sogenannten Hexentum gelegen, woraus ersichtlich wird, daß die v. Bünau nicht nur in Aufenau, sondern auch in Gelnhausen und Salmünster ansässig wurden.
Am 15. 4. 1413 (Simon III, 223) bekennt ein Hermann v. Bünau, daß er die Forststube in dem Büdinger Wald, genannt das Vorderamt, gelegen um Haitz, das bisher Gerlach Nutzer als Förster besetzt hatte, von Johann v. Isenburg als Büdinger Lehen erhalten hatte und es dann selbst an Hermann v. Rodenstein verkaufte.
Als letzter aus dem Geschlechte ist mir Ludwig v. Bünau bekannt geworden, der 1474-1492 als Schultheiß von Mainz dort in Diensten des Erzbischofs stand. Eine Urkunde vom 27.6.1481 (Simon III, 278) nennt ihn als Stadtschultheißen in Mainz in Gemeinschaft mit Bernhard v. Breidenbach, Johann v. Lauter und anderen Mainzer Bediensteten.

Was uns an Urkunden über diese Zeit erhalten ist, mag vielleicht lückenhaft sein. Jedenfalls sind es Tatsachen, die uns über die Namen hinaus über Aufenthaltsort, Dienste und anderes Auskunft geben und als Gesamtbild . ganz anschaulich wirken: Lebenszeit, Lebensort und -art vermitteln uns ein Bild jener berittenen Polizisten und Verwaltungsbeamten des Mittelalters, deren Einkommen nur mäßig war und gar nicht das luxuriöse Leben zuließ, das uns Gemälde von der Ritterzeit allgemein vorgaukeln.

nach oben - zurück