Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2004


AUFENAU

Geschichte des Dorfes


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Auszug aus
"Wie es damals war"
von Peter Tauber
Vertrieb:
Verlag der Buchandlung Dichtung und Wahrheit, Poststr. 26, 63607 Wächtersbach,
ISBN 3-9805957-2-2

Aufenau ist der älteste Stadtteil von Wächtersbach. Seine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 860 zurück. Aufenaus Geschichte ist eng mit der Neudorfs verbunden. Man nimmt an, daß Neudorf eine Neusiedlung ehemaliger Aufenauer war. Die Freiherren von Forstmeister zu Gelnhausen waren die Herren über beide Dörfer.

Erst 1814, als beide Dörfer zu Bayern kamen, wurde eine Grenzlinie gezogen. So kommt es auch, daß die Einwohnerzahl in früheren Zeiten kaum ermittelt werden kann. Kurz nach dem 30jährigen Krieg wurde die Einwohnerzahl von Neudorf, Kinzighausen und Aufenau insgesamt mit 73 Personen angegeben. Auch Aufenau blieb von Krieg und Pest offenbar nicht verschont.

Die Frankfurter- und die Leipzigerstraße kurz nach der Jahrhundertwende

 

Seit dem Mittelalter waren die Herren von Forstmeister, Lehnsherren der zum Reichsforst gehörenden Herrschaft Aufenau. Erstmals urkundlich nachgewiesen ist die Belehnung von Johann Forstmeister von Gelnhausen mit Aufenau, Neudorf und Hain im Jahre 1365. Zur Herrschaft Aufenau gehörte auch der Hof und das Schloß Kinzighausen.

An den Besitzverhältnissen änderte sich erst am 6. März 1787 etwas. Von diesem Zeitpunkt an gehörte Aufenau zu Kurmainz. Der Grund war der Niedergang der einst begüterten Familie von Forstmeister, die immer mehr von ihrem Besitz veräußern mußte. Aufenau blieb nicht lange bei Kurmainz. Unter Napoleon kam es zum Fürstentum Aschaffenburg. Schon vier Jahre später, im Jahre 1810, gründete der selbstgekrönte Kaiser der Franzosen das Großherzogtum Frankfurt, in dem das Fürstentum Aschaffenburg aufging. Nach den Befreiungskriegen gehörte Aufenau zum Königreich Bayern, bevor es 1866 preußisch wurde und bis 1945 blieb.

Die große Geschichte holte das kleine Dorf immer wieder ein. Auf ihrem Rückzug nach der verlorenen Völkerschllacht bei Leipzig brachten die französischen Truppen das Fleckfieber nach Aufenau, an dem 97 Personen in kürzester Zeit starben.

Das Bild zeigt, die heute noch bestehende, Gaststätte "Wittelsbacher Hof" kurz nach der Jahrhundertwende. Vor dem Haus steht einer der Dorfbrunnen, mit denen die Wasserversorgung sichergestellt wurde.

Gut hundert Jahre später forderte der 1. Weltkrieg zahlreiche Opfer. Von den 49 Männern, die am Mobilmachungstag unter Jubel zu den Fahnen verabschiedet worden waren, kehrte nur knapp die Hälfte unversehrt nach Hause zurück. Nach Kriegsende 1918 bildete sich im Dorf sogar ein Soldaten-, Arbeiter- und Bauernrat, der aber keine nennenswerten Aktivitäten entwickelte.

Anfang des 20. Jahrhunderts hielt der Fortschritt Einzug. Im Jahre 1908 wurde eine Wasserleitung gebaut, das Dorf erhielt Anschluß an die Gasleitung Salmünster - Wächtersbach. Im Sommer 1921 begannen die Arbeiten zur Stromversorgung von Aufenau.

Das Kaufhaus Zöller in der Leipzigerstraße Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schließlich forderte auch der 2. Weltkrieg seine Opfer. Gegen Kriegsende kamen die ersten Evakuierten aus Großstädten nach Aufenau. Behelfsheime wurden errichtet, und obwohl es zu keinerlei Kampfhandlungen im Dorf kam, wurden zahlreiche Gebäude durch Artilleriebeschuß beschädigt oder zerstört. Durch Flucht und Vertreibung aus dem deutschen Osten wuchs die Bevölkerungszahl um über 50 Prozent. Über 300 Heimatvertriebene kamen nach Aufenau.

Hausschlachtung bei der Familie Korn im Jahr 1963 Der Bohlensteg von Aufenau nach Kinzighausen sollte den Weg auch bei Hochwasser passierbar machen.