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Das Puppenhaus von Aufenau
Silvia Ruppel-Chamberlin pflegt mit Hingabe ihr außergewöhnliches Hobby
von Isabeau Wagner
Gelnhäuser Neue Zeitung; Mittwoch, 26. Oktober 2005

Meist sind es die ungewöhnlichen oder auch die einfachen Begebenheiten und Angewohnheiten aus der Jugendzeit, die einen Menschen im Erwachsenenalter prägen und begleiten. Wie oft erinnert man sich an Streitigkeiten mit Klassenkameraden aus der Grundschulzeit oder den hitzköpfigen Formulierungen eines Freundes, über die man sich noch Jahre später empören kann. Aber es gibt auch Momente, in denen die ersten zaghaften Sammelleidenschaften geboren werden.
Die Aufenauerin Silvia Ruppel-Chamberlin sammelt nicht nur Puppen, sie lebt mit ihnen. "Als Kind bekam ich von meinen Eltern immer eine. Puppe an Weihnachten geschenkt, aber meine Brüder hatten die in kürzester Zeit kaputt gemacht."
Damals wurde die Saat gelegt. Es reifte der Gedanke, sich später einmal von selbst verdientem Geld Puppen zu kaufen. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Das gesamte Haus ist mit Puppen, Teddybären, Marionetten und nostalgischen Fotos dekoriert.
Und nicht nur im Innern und an den Fenstern stehen Puppen oder Teddybären, auch vor dem Haus sind Puppen an Geländer oder Eingangstreppe platziert. Großes "Thema" ist momentan natürlich Halloween, Und so stehen Kürbiskopfmann, Hexen und die Puppen parat, um nach den Fußgängern oder den Autofahrern Ausschau zu halten. Doch die Faszination, die von dem gesamten Haus mit seiner märchenhaften Dekoration ausgeht, war nicht von Anfang an so.
Silvia Ruppel-Charoberlin, die vor elf Jahren mit ihrem Ehemann Jeffery und den vier Kindern das Haus kaufte, erinnert sich: "Das Haus war damals in einem sehr schlechten Zustand. Es war; ehrlich gesagt, ein schreckliches Haus." Das Baujahr liegt schätzungsweise um 1900, und viele Gerüchte rankten um das herunter gekommene Anwesen. Aus eigener Kraft und dem Willen, ein Heim zu schaffen, wurde das Hauskomplett in Eigenleistung entkernt, renoviert und modernisiert. "Es war nicht leicht für Außenstehende zu verstehen, warum wir gerade dieses Haus kauften. Aber wir sahen von Anfang an das große Potenzial, das nach einem Umbau und einer Renovierung möglich war", erklärte Ehemann Jeffery.
Das Gerede über das Haus habe sie anfangs schon nachdenklich gestimmt, aber nichtsdestotrotz, machte sich die Familie ans Werk und begann mit den schweißtreibenden Renovierungsarbeiten, um Platzür die Familie zu schaffen - und die Puppen.
Zu jeder Puppe gibt es eine kleine Geschichte zu erzählen. Bei insgesamt 130 Puppen käme so ein ziemlich dickes Märchenbuch zustande; Ruppel-Chamberlin erinnert sich: "Ich arbeitete zehn Jahre im Hause der Familie Dr. Peter Schmidt aus GeInhausen. Als die beiden von meinen Puppen erfuhren, schenkten sie mir an einem Weihnachtsabend eine wunderschöne Zapf-Puppe".
Nicht nur Ehemann Jeffery bringt Puppen oder Teddybären mit nach Hause - auch die eigenen Kinder, Freunde oder Bekannte wissen, was gewünscht ist.
Selbst eine Nachbarin kam spontan vom Einkauf mit einer süßen Teddybären-Marionette zurück, um sie Ruppel-Chamberlin zu schenken.
Ein besonderes Exemplar ist eine kleine Plastikpuppe, die dem Sohn einer Nachbarin einst vor 55 Jahren selbst gehörte.
Die Puppen müssten von "Herzen" geschenkt werden, .sonst mag ich sie nicht wirklich behalten". Also hat jede Puppe im Haus oder im Fenster ihren Platz. Ebenso spannend, wie die Geschichten der Puppen selbst, sind Begebenbeiten, die direkt mit demHaus zu tun haben.
So werde Ruppel-Chamberlin oft danach gefragt, wann denn das Puppenmuseum geöffnet habe, denn als "Puppenhaus von Aufenau" sei das Anwesen bis nach Hanau bekannt. Auch mit Steinau an der Straße und dessen Märchentourismus werde das Haus gern in Verbindung gebracht. Und viele Menschen kämen aus der Vogelsberg-Region angefahren, um die Frau Holle zu bestaunen, die jedes Jahr um diese Zeit aus einem Fensterchen von Ruppel-Chamberlins Haus schaut.
"Es mag ja für einige kitschig erscheinen, aber mit den Puppen Leben und Wohnen müssen einzig und allein meine Familie und ich, Und nur das zählt." Außerdem weiß sie aus eigener Erfahrung zu berichten: "Der Schlüssel zum Glück liegt doch in der eigenen Zufriedenheit." Die 46-Jährige sammelt nicht nur leidenschaftlich gern Puppen, sie wischt auch leidenschaftlich gerne Staub und macht sauber. "Ich genieße es einfach, mit Liebe das Haus zu putzen. Ich habe es immer gern gemacht." Und das kommt natürlich dem Haus und seinen wunderschönen Dekorationen zugute, denn "schon morgens um, sieben ist meine Wohnung geputzt", so Ruppel-Chamberlin. Und da lässt sich die energische Frau auch nicht ins Handwerk pfuschen.


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