Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2004

FACHARBEIT über das Dorf Aufenau
von
Nils Korn
(1997)
Copyright © 2001 [Nils Korn] Alle Rechte vorbehalten.

Das heutige Geschehen in Aufenau ist mir weitgehend bekannt. Durch das erstellen der Facharbeit hatte ich Gelegenheit in die Geschichte Aufenaus einzusehen. Jetzt kenne ich nicht nur die Vereine, sondern weiß auch etwas über ihre Entstehung. Auch über Aufenau, im Zusammenhang mit den Kriegen, war sehr viel zu erfahren. Die Geschichte der Kirche war ebenfalls nicht uninteressant. Ich finde es sehr schön in einem Dorf zu leben, mit einer solchen geschichtlichen und interessanten Vergangenheit. Hiermit versichere ich, daß ich den Text selbst geschrieben habe und Informationen von den beschriebenen Personen bekommen habe.

Vorwort
Geschichte des Dorfes Aufenau
Erste amtliche Erwähnung
Der Name Aufenau
Die erste urkundliche Erwähnung der Aufenauer Kirche
Deutung des Wappens
Aufenau und seine Lage
Der Kirchenstreit zu Aufenau 1680 bis 1683
Der dreißigjährige Krieg
Die Retirade
Der erste Weltkrieg
Der zweite Weltkrieg
Aufenau 1997  

Aufenau und die Dorferneuerung
Die heutige Bevölkerung

Vorwort

Nach Bekanntgabe zur Ausarbeitung einer Facharbeit im Oktober 1996 entschloß ich mich für das Thema Aufenau. Es interessierte mich, genaueres über die Vorgeschichte des Ortes und seiner Vereine zu erfahren.

Die Arbeit zur Herbeischaffung der Materialien erwies sich als aufwendig. Nur wenige Leute kennen sich in der Dorfgeschichte richtig aus. Am schwierigsten war die Materialbeschaffung der Jahre vor 1900.

Daher möchte ich mich bei allen bedanken, die mir geholfen haben, die Geschichte Aufenaus zu erfassen. Mein besonderer Dank gilt dem Schriftführer der Freiwillgen Feuerwehr Erwin Rasch, dem Vorsitzenden des Gesangvereins Reinhard Firnges, Karl Seipel vom Motor-Sport-Club und dem Chronikführer des Schützenvereins Gerhard Schneider II., und dem Architekten Erich Korn, Leiter der Dorferneuerung. Auch danke ich meinen Großeltern die mir, soweit es möglich war, Informationen über den zweiten Weltkrieg gaben. Selbst Pfarrer Franz Koska war es nicht zuviel mir Informationen über die kirchliche Geschichte zu geben.

Erste amtliche Erwähnung

Die älteste Quelle, in der Aufenau erwähnt ist, ist der Kodex Eberhard. Dieser ist ein Kopialbuch des Fuldaer Mönches Eberhard aus dem 12. Jahrhundert. Dieser Mönch schreibt zur Zeit des Abtes Marquart (1150-1168). In dem Kopial erwähnt er an anderen Stellen, daß er auf Befehl dieses Abtes alte Urkunden abschreibe. Er begeht dabei viele Eigenmächtigkeiten. Namen schreibt er in der Lautform seiner Zeit, kürzt Längen und schmuggelt zur Glaubhaftmachung Zusätze ein.

Die Urkunde aus dem Kopial des Mönches Eberhard, in der Aufenau zum ersten Mal erwähnt wird, ist die Markbeschreibung der Kirche von Salmünster. Auch diese ist nicht in allen zuverlässig und fehlerfrei. Dies trifft besonders auf den Bericht über die Einweihung der alten Kirche zu Salmünster zu, der Grenzschreibung vorausgeht.

Der Name Aufenau

Im Jahre 886 wird der Ort als "hovwenowa" erwähnt. 1167 erscheint der Name als "vuenowe". Im Jahre 1365 ist dieselbe Schreibweise wieder zu finden. 1376 wandelt sich der Name ab in "ubena". 1534 bringt eine alte Lehensurkunde die Dorfbezeichnung "Auffenaw". Um 1600 und bis 1683 ist die Schreibweise sehr variabel: "Uffenawe, Auffenawe, Auffenau und auch Aufenau" taucht schon in dieser Zeit auf. Seit 1600 hat sich der Name des Dorfes nur unwesentlich verändert.

Zur Namensdeutung kann hier nichts Endgültiges gesagt werden. Martin Schäfer ist Anhänger der Namenstheorie und meint im Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Aufenau käme von "Au eines Uffo". Andere vertreten die Sachtheorie und sind der Meinung, der Name hätte die Bedeutung von "Auf der Au".

Beide Ansichten erscheinen etwas fragwürdig. Immer ging man seither von dem Wort " Uvenuwa" aus. In der älteste Urkunde wird aber Aufenau "Hov-wenowa" geschrieben. Die Wortdeutung ändert sich, wenn wir von der neuen Schreibweise ausgehen. Mit hove oder hovel bezeichnet man noch heute in England einen kleinen abseits gelegenen Bauernhof, ein Landhaus oder eine Hütte. So könnte der Name Aufenau aus Howen-Owa, also eine Au, auf der ein kleiner Hof liegt, entstanden sein. Die jetzige deutsche Sprachform "Hof' wird hier besonders deutlich.

Ein Hinweis auf Neudorf sei in diesem Zusammenhang angebracht. Es ist bekannt, daß alle Ortsnamen früher im Dativ gebraucht wurden. Man sagte z. B.: "Ich gehe nach dem obern Dorf (Oberndorf)." Diese Bezeichnung "Oberdorf" wird heute in Aufenau auf den Ostteil des Dorfes angewandt, während der Westteil "Unterdorf" heißt. Ebenso wurde früher gebraucht: "Ich wohne in dem neuen Dorf (Nawendorf)." So war Neudorf vielleicht eine Siedlung ehemaliger Aufenauer.

Die erste urkundliche Erwähnung
 der Aufenauer Kirche

 

Zum ersten Mal wird die Aufenauer Kirche im Jahre 1167 genannt. Herold von Hochheim, der Bischof von Würzburg (1165-1171), nimmt das Kloster Schlüchtern in seinen Schutz, zählt die Besitzungen auf und trifft die Bestimmungen wegen der Vogtei. Die Kirche und die Güter von Aufenau sind zu derzeit im Besitz des Klosters Schlüchtern.

Die nächste urkundliche Erwähnung der Kirche, bzw. deren Güter, stammt aus dem Jahre 1376. Die Urkunde ist aus dem Lehenrepertorium des Klosters Schlüchtern.


* Informationen aus Sammlung Geschichte Wächtersbach nach einer Ausarbeitung von Benno Stuhl - Lehrer in Aufenau

Deutung des Wappens

Die Entwicklung Aufenaus ist so sehr mit dem forstmeisterischen Geschlecht verbunden und ihrem Embiern, so vielfach überliefert, daß es nicht verwunderlich ist, daß die Gemeindevertretung Aufenaus am 10. Oktober 1964 den Beschluß faßte, als Gemeindewappen das eindrucksvolle Zeichen des Gerichts und der ehemaligen Herrschaft Aufenau - Neudorf zu erwählen.

In dem Antrag heißt es: "Das beantragte Wappen soll für die Gemeinde Aufenau ein Zeichen werden, das nicht nur erinnert an die Herrn von Forstmeister als Landesherren, an das ehemalige Gericht Aufenau, an die besondere konfessionelle Entwicklung und an die Eigen-staatlichkeit, sondern es soll auch ein Sinnbild für Aufgabe und Verpflichtung der Gemeinde in Gegenwart und Zukunft, für den Weg in eine größere Gemeinschaft werden."

Der Gemeindevorstand erklärte sich im Juni 1964 mit einem entsprechenden Entwurf einverstanden. Die Wappenbeschreibung lautet: " In Blau ein goldener Doppelhaken, überhöht durch einen goldenen Adlerkopf, beseitet von goldenen Schindeln und links oben ein goldenes Kreuz."

Am 16. November 1965 wurde das Gemeindewappen in der beschriebenen Form vom Hessischen Innenminister genehmigt und im Staatsanzeiger Nr. 49/1965 unter der Nr. 1165 veröffentlicht.

Verschiedene Aufenauer Vereine tragen dieses Wappen heute auf ihren Fahnen, allen voran die Feuerwehr und der Schützenverein. Am Gemeindezentrum und am ehemaligen Bürgermeisteramt ist es angebracht.

Als Ausrichterin des Hessentages 1982 wollte auch die Stadt Wächtersbach ein Wappen besitzen. Ein Stadtsiegel war schon vorhanden. Da der Hessentag kurz bevor stand, war man zu einem schnellen Entschluß gezwungen. Hätte man etwas mehr Zeit zum Überlegen gehabt, wäre das Verständnis für die eigenständige geschichtliche Entwicklung der einzelnen Ortsteile größer und damit auch die gegenseitige Toleranz, wäre man sicher zu einer formschöneren Lösung gekommen.

So fand das Zeichen des Ortsteiles Aufenau nur in einer leider recht unglücklichen Anordnung und Form Platz in dem neuen Stadtwappen.

Aufenau und seine Lage
Bäche, Berge, Straßen und Flüsse

Durch die Aufenauer Gemarkung fließen die Kinzig und die Bracht. An der Salmünsterer Straße entspringt die Musel. Diese wurde als Quellfluß für die Aufenauer Wasserversorgung benutzt. Das Wegflüßchen, der Judenborn ( Steinesborn ) und das Gießchen führen nur im Frühjahr und Vorsommer ihr Quellwasser in die Kinzig.

Die Straßenführung, wie sie heute besteht, war keineswegs immer so. Noch im Jahre 1806 führte über den Bäckersberg, aus Richtung Wirtheim kommend ( Eiserne Hand ), ein alter Fuhrweg nach Aufenau hinein. Eine alte Wegebezeichnung heißt heute noch "Fuhrmannshohle" ( hinter der Schule ). Diese alte Straße führte weiter in Richtung Salmünster, aber nicht rechts an der Kirche vorbei wie die Straße heute, sondern in einem weitem Bogen links um die Kirche herum durch die heutige Marienstraße und kam an der heutigen Wirtschaft "Zur Quelle" wieder auf die heutige Hauptstraße.

Auf Befehl Napoleons wurde, wegen der engen Durchfahrt um die Kirche herum, der Friedhof im Jahre 1808 verlegt. Der Hügel, der bis dicht an die Kirche heranging, wurde abgetragen und ein für damalige Verhältnisse recht breiter Straßenzug geschaffen, der heute sehr eng erscheint.

Der heutige Wald hat eine Größe von ungefähr 80 ha. Früher gehörte noch der Wald westlich Aufenaus, zwischen Bad Orb und Kinzigtal, mit zum Besitz der Gemeinde Aufenau.

Die höchste Erhebung ist der Eisenberg mit 286,2 m im Aufenauer Wald.

Der Kirchenstreit zu Aufenau 1680 bis 1683

Nach dem Verkauf des Patronatsrecht im März 1680 wurde ein evangelischer Pfarrer von Gelnhausen nach Aufenau berufen. Die Patres von Salmünster erhielten von neuen Patronatsherrn den Befehl, keine kirchlichen dem Verrichtungen mehr in Aufenau vorzunehmen, Krankenbesuche waren allerdings gestattet. Es kann angenommen werden, daß schon vorher, von 1665 bis 1680, die Franziskaner von Salmünster viermal im Jahr und zu den hohen Feiertagen Gottesdienst hielten.

Die Aufenauer begannen mit dem Bau eines Hauses für den evangelischen Geistichen.

Die katholischen Untertanen wurden gezwungen, den evangelischen Gottesdienst zu besuchen.. Das Fehlen wurde mit einer Geldstrafe von 5 fl (Währungseinheit) belegt. Sie erhielten weitere Anweisungen, ihre Kinder nur durch den evangelischen Schullehrer unterrichten zu lassen.

So waren die konfessionellen Verhältnisse zu Beginn des Jahres 1680 sehr gespannt, und jede Partei versuchte nun ihr Recht durchzusetzen. Bei dem folgendem Kirchenstreit ging es weniger um Begräbnisse, Taufen und Trauungen, sondern um die Einsetzung eines evangelischen Pfarrers und die Mitbenutzung der Kirche. Ihre Rechte wollte sich weder Kurmainz noch Friedberg nehmen lassen.

So befahl Kurmainz am 14. April 1680 seinen Beamten in Hausen, Herrn von Hattstein, den evangelischen Pfarrer von Aufenau, Anton Hofrock, 24 Stunden einzusperren und anschließend gegen Revers fortzuweisen.

Auf seinem Weg von Gelnhausen nach Aufenau, am 22. April 1680, wurde der Pfarrer in Wirtheim aufgegriffen und eine Nacht im Arrest behalten. Man nötigte ihn, einen Revers zu unterschreiben. Später teilte er aber dem Oberförster von Wirtheim mit, daß er auf einem schlechten Verpflichtungsschein nichts gäbe. Konnte der Geistliche nicht nach Aufenau kommen, so vertrat ihn sein Sohn; war dieser verhindert, predigte der Schulmeister. Erneut drohte deshalb Kurmainz mit Arreststrafen. Außerdem sollte Hofrock 20 Reichstaler Strafe bezahlen, wenn er die Kanzel in Aufenau noch einmal betrat.

In einem anderen Schreiben wurde dem Schultheiß eine Strafe von 20 fl angedroht. Er hatte die katholischen Untertanen zum Gottesdienst gezwungen und ihnen zum Fleiß an verschiedenen Feiertagen "Fronarbeiten" aufgebürdet.

Wegen der Gefangennahme des Predigers und der Strafandrohungen protestierte nun die Reichsritterschaft der Burg Friedberg. Der Mainzer Kurfürst empfing einen Gesandten, Herrn von Holtzhausen, der die Meinung seiner Kollegen noch einmal persönlich vortrug.

Am 24. April 1681 starb der katholische Philipp Joachim auf Schloß Kinzighausen. Die Patres von Salmünster erhielten die Erlaubnis, eine Seelenmesse zu lesen. Dem evangelischen Pfarrer wurde befohlen, die Leichenpredigt zu halten. Diese Seelenmesse war der letzte Gottesdienst eines katholischen Geistlichen mit Erlaubnis des evangelischen Forstmeisters.

Am Tage darauf, am 15. April, hielten die Orber auf Anordnung des Erzbischofs die Markusprozession nach Aufenau. Dieser Prozession ritten der Keller von Orb und der Oberförster von Wirtheim voran; es folgten 350 Menschen. Der evangelische Forstmeister, Johann Henrich, war im Trauerhaus anwesend, als er die Nachricht von dieser Prozession erhielt. Er Befiehl dem Schultheiß, die Kirchentüren zu verschließen und die Glockenknüppel aus den Glocken zu nehmen, um zu sehen ob die Orber Gewalt anwenden. Die Orber kamen vor der Kirche an und die Türen waren verschlossen. Die beiden kurmainzischen Beamten ritten vor das Trauerhaus und sagtem dem Freiherrn von Forstmeister, daß sie Befehl hätten, mit der Prozession die Kirche zu Besuchen. Würde die Tür nicht geöffnet, geschehe es mit Gewalt. Der Forstmeister protestierte dagegen.

Darauf protestierte die Reichsritterschaft wieder. In dem Protestschreiben wurde auch auf einen weiteren Vorfall bezug genommen.

Auf Christi Himmelfahrt 1681 wurde von Salmünster aus wieder eine Prozession zu der Kirche in Aufenau abgehalten. Der Herr von Forstmeister wollte die Prozession nicht in die Kirche einlassen. Darum begab sich Herr von Hattstein zum Schutz der Prozession mit 40 Musketieren nach Aufenau. Wieder war die Kirche verschlossen und waren die Stänge und Klöppel zu den Glocken weggenommen wie bei den Orbern wenige Wochen zuvor.

Am 2. Osterfeiertag 1682 begaben sich viele Salmünsterer nach Aufenau. Die Kirche war verschlossen. Als man den Schlüssel haben wollte, bekam man die Auskunft, daß Herr von Kremp, der Vormund der evangelischen forstmeisterischen Kinder, den Schlüssel mit nach Gelnhausen genommen habe. (Johann Friedrich, von Forstmeister von Gelnhausen war Ende März 1682 gestorben.) Wieder stieg man durch die Fenster ein, und wieder gab man auf die gleiche Art mit den Glocken einige Zeichen. Darauf wurde Messe und Predigt gehalten. Da von der forstmeisterischen Verwandtschaft niemand anwesend war, wurde auch nicht dagegen protestiert, daß man mit Gewalt in die Kirche eingedrungen war. Mainz wies für die Zukunft Herrn von Hattstein an, so oft wie nur möglich in Aufenau Gottesdienst halten zu lassen. Der evangelische Geistliche Anton Hofrock bewohnte seit einiger Zeit das neu erbaute Pfarrhaus in Aufenau. Am 2. August 1682 begab sich der Gemeinschaftsschultheiß von Salmünster zu ihm und überbrachte aus Mainz den Befehl, daß Predigen einzustellen und binnen 14 Tagen Aufenau zu verlassen. Der Geistliche erwiderte, daß er auf Befehl des Burggrafen von Friedberg in Aufenau sei und ohne dessen Befehl es nicht verlassen werde. Am 13 August wurde der evangelische Pfarrer nochmals ermahnt, vom Predigen und den anderen religiösen Übungen abzulassen. Auch Arrest wurde ihm angedroht.

" Der Prädikant ist aber auf seiner einmal gefaßten Halsstarrigkeit verblieben."

Am Sonntag, dem 6. September 1682, gingen Paul König, Schultheiß von Mernes und der kurfürstliche Jäger Harnischfeger mit 40 Mann vom Ausschuß aus dem Amt Burgjoß nach Aufenau. Dort holten sie den Geistlichen in der Nacht aus seinem Bett und brachten ihn nach Salmünster in Arrest in das Gasthaus "Zur weißen Rosen". Dort wurde er von zwei Mann bewacht. Nach 28tägiger Haft unterschrieb er einen Revers, in dem er an Eides Statt versicherte, daß er sein Amt bis zur Beilegung der Streitigkeiten nicht mehr versehen wolle.

Nach der Verhaftung des Pfarrers versuchte die Reichsritterschaft eine gütliche Einigung mit Mainz. Zu diesem Zweck wurde das Ritterschaftsmitglied Johann Adolf von Karpen in diese Stadt gesandt, um eine kurfürstliche Erklärung entgegenzunehmen.

Im April 1683 scheint man sich soweit geeinigt zu haben, daß man sich wenigstens in Aufenau treffen wollte. Trotzdem versuchte der Kurfürst, die katholische Religionsausübung auch mit Gewalt durchzuführen. In jenem Jahr fiel der Markustag in Orb auf den Jahrmarkt. Deshalb wurde die Prozession nach Aufenau auf Philippus und Jakobus (1. Mai) verlegt und diese Ohne Hinderung und besondere Vorkommnisse durchgeführt. Zumindest ist darüber kein Bericht vorhanden.

Überblicken wir die Zeit von 1649 bis 1683, so scheint sich der Streit um das Patronatsrecht der Kirche zu Aufenau weniger zwischen den Einwohnern der Ortschaft abzuspielen, als vielmehr zwischen dem Erzstift Mainz und der Reichsritterschaft Friedberg.

Die Forderungen von Kurmainz sind in vier Punkten zusammenzufassen:

  1. Der Stand der Religionsausübung vor der Reformation oder zur Zeit der katholischen Forstmeister ist wieder herzustellen.

  2. Der "unrechtmäßig" eingesetzte evangelische Geistliche ist hinwegzuweisen.

  3. Die katholischen Untertanen sind auf ihre Feiertage niemals zu Dienstleistungen gezwungen.

  4. Die katholischen Geistlichen halten den Gottesdienst.

Friedberg betonte immer wieder folgende Punkte:

  1. Der Patronatsrechtsverkauf vom Jahre 1649 war ungültig, weil er den Bestimmungen des Westfälischen Friedens entgegenstand, außerdem verstieß er gegen die Lehensrechte.

  2. Die kirchlichen Verhältnisse in Aufenau sind entsprechend dem Stand der Verhältnisse vom Jahre 1624 wiederherzustellen.

  3. Der Gottesdienst ist durch evangelische Geistliche auszuführen.

Die Bevölkerung Aufenaus war in der Hauptsache der leidende Teil in diesem Streit, denn es sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß außer dem evangelischen Schulmeister und den Schultheißen andere Personen verwickelt waren - Hitzköpfe hat es wohl auf beiden Seiten gegeben.

Die hohen streitenden Parteien scheinen über die Entwicklung der Aufenauer Verhältnisse und seiner Rechtsangelegenheiten nicht genau Bescheid gewußt zu haben. So wird z. B. nirgends erwähnt, daß der Kirchensatz zu Aufenau von dem Kloster Schlüchtern her kommt. Auch werden die Artikel des Friedensvertrages zu Münster und Osnabrück, der Passauer Vertrag, der Augsburger Religionsfrieden und die Vereinbarung zwischen Forstmeistern so ausgelegt, wie es jeder Partei gerade recht erscheint. Es kommt noch hinzu, daß zur Zeit des Bauernaufstandes Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen, sich in Hausen den Untertaneneid schwören ließ. Keine der streitenden Parteien führt diesen Punkt an. Durch Gewaltanwendungen und Tätlichkeiten und durch Protestieren sucht jede Seite der anderen ihre Meinung aufzuzwingen.

* Informationen von Herrn Pfarrer Franz Koska aus Aufenau und aus der Universal Geschichte Königreich Bayern - Landgericht Bad Orb aus 1824 -.

Aufenau in Kriegs- und Notzeiten
Der dreißigjährige Krieg

Aufenau liegt an der Durchzugsstraße im Kinzigtal. Darum können wir in etwa auf dieselben Verhältnisse folgern, wie sie für die umliegenden Ortschaften bestanden haben.

Am 17. September 1631 wurde Tilly bei Breitenfeld geschlagen. Durch Thüringen zog er nach Fulda und dann weiter über den Distelrasen durch den nördlichen Spessart. Es kann angenommen werden, daß Aufenau bei diesem Durchzug berührt wurde. In Gelnhausen haust von 1621 bis 1631 die kaiserlich salva guardia (Schutzgarde). Am 1. November 1631 ziehen die Spanier nach dem Einmarsch der Schweden ab.

Die schlimmsten Jahre für unsere Gegend waren wohl 1634/35. Am 29. August überfallen die Schweden Bad Orb und plünderten es aus. Im Winter 1634/35 liegt Piccolomini mit 6 Kompanien Dragonern in Bad Orb im Quartier. Von dieser Truppe werden Streifzüge in die Umgebung unternommen.

Über Aufenau selbst berichtet das Pfarrbuch des Salmünsterer Pfarrers Haal aus dem Jahr 1644 nur, daß 2 Regimenter der kaiserlichen Truppen bei dem "Blauen Wunder" (Kinzighausen) im Felde lagen und einmal bei Nacht, das andere Mal am Tag einen Angriff auf Salmünster durchführten.

Im Jahr 1646, zur Erntezeit, kamen gegen Mittag 1200 Reiter von Wächtersbach und zogen durch Aufenau. Die Frauen in Salmünster verbarrikadierten das Ober- und Untertor , die Männer schossen mit ihren Gewehren auf die Angreifer.

Die Pest hatte im Jahre 1634/35 in unserer Gegend furchtbar gehaust. In Salmünster starben 175 Personen. In Bad Orb sollen, bis auf zehn Familien, alle ausgestorben sein. Über Aufenau selbst wissen wir aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges nichts.

Aufenau in Kriegs- und Notzeiten
Die Retirade

Am 16. Oktober 1813 begann die Völkerschlacht bei Leipzig, in der Napoleon gegen die Verbündeten kämpfte. Das Kriegsglück entschied am Abend des 18. Oktober gegen Napoleon, und der Rückzug der Franzosen begann. Das Pfarrbuch der katholischen Gemeinde von Aufenau hat in dem Totenbuch die Notiz, daß "wegen der Seuche und der Not der Einwohner beim Rückzug der Franzosen, während des Wohnens der Truppen und ihrer Verwüstung und auch wegen der Überschwemmung viele Leute starben."

Vom 27. Oktober bis zum 30. November 1813 sind in dem katholischen Todesbuch 40 Sterbefälle eingetragen. Die Höchstzahl an einem Tag beträgt vier. Im Monat Dezember 1813 sind im katholischen Verzeichnis 25, im evangelischen 2 Sterbefälle aufgeschrieben. Eine Randnotiz bei allen Sterbefällen besagt, daß sie an dem sog. "hitzigen Fieber" oder der "russischen Krankheit" gestorben sind. Im Januar 1814 wurden 12 katholische und 7 evangelische Personen beerdigt. Unter diesen befindet sich auch der katholisch Pfarrer Ühlein. Der evangelische Geistliche starb auch an der Seuche.

Im Monat Februar sind noch 8 evangelisch und 3 katholische Sterbefälle eingetragen. Im März erreichen die Eintragungen wieder ein normales Maß. Es kann angenommen werden, daß es sich bei dieser Seuche, die in Aufenau 97 Personen das Leben nahm, um Fleckfieber handelte, das von den Franzosen eingeschleppt wurde.

Die Bedrängnisse der Bevölkerung müssen in dieser Zeit sehr groß gewesen sein. Diebstähle kamen vor, sogar das Kirchengut wurde dabei angegriffen. Das Inventarverzeichnis der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde weist aus, daß einige Gegenstände, z. B.:Musikinstrumente, Paramente und ein Kelch von den Franzosen mitgenommen wurden.

Aufenau in Kriegs- und Notzeiten
Der erste Weltkrieg

Am 1. August 1914 begann der Krieg gegen Rußland und Frankreich. Der kommandierende General Schrenk befahl für seine Bereich, daß die Schulen geschlossen werden sollten, damit die Kinder sich an den Erntearbeiten beteiligten konnten. So wurde es auch in Aufenau gehalten.

Am Vorabend des 1. August fand in der größten Wirtschaft in Aufenau eine Abschiedsfeier für die Krieger statt, die sich am nächsten Tag bei ihren Truppenteilen zu melden hatten. Mit großer Begeisterung zogen sie in den Krieg.

Bei größeren Siegen der deutschen Truppen wurden Feiern veranstaltet, und die Schulkinder erhielten verkürzten Unterricht. Alle Familien halfen kräftig mit, um den Soldaten warme Kleider zu schicken.

49 Männer rückten am Mobilmachungstag ein. Am Ende des Jahres 1914 waren bereits 7 gefallen und 11 verwundet.

Die Einschränkung im Lebensmittelverbrauch waren im ersten Jahr des Krieges kaum zu bemerken.

Das Kriegsjahr 1915 brachte wieder 7 Todesnachrichten in Aufenauer Familien. Über die Jahre 1916-1917 ist nichts aufgezeichnet.

Vom Generalkommando angeordnet, kam im Frühjahr des Jahres 1918 die Nachricht, daß die Glocken von den Kirchtürmen geholt werden sollten. Das Geläute bestehend aus den Glocken Jubilate, Kanate und Rogate, wurden am 11. und 12.Juli 1918 abgeholt. Es blieb nur eine kleine Glocke da.

Kriegsanleihen wurden gezeichnet, Haussammlungen veranstaltet und Getreide, Kartoffeln und Schlachtvieh abgegeben, damit der Krieg siegreich zu Ende geführt werden könnte. Die Lebensmittel- und Viehabgaben geschahen zwangsweise, und dabei kam es zu unliebsamen Zwischenfällen. Verschiedene Einwohner hatten sich gesträubt, beschlagnahmte Lebensmittel abzugeben, darum gab es Hausdurchsuchungen in ganz Aufenau.

Mit dem Kriegsende 1918 bildeten sich in vielen Orten neben den bestehenden Verwaltungen Arbeiter und Soldatenräte. Autos mit roten Fähnchen fuhren auf der Hauptstraße auf und ab. Am 18. November wurde auch für Aufenau in der großen Wirtschaft ein Soldaten-, Arbeiter- und Bauernrat gewählt. Von der Tätigkeit dieses Rates war aber im Dorf wenig zu spüren.

Mit dem Kriegsende trat in unserer Gegend auch eine Grippeepidemie auf, die in Aufenau einige Opfer forderte. Die Ursache der Krankheit ist wohl auf den schlechten Ernährungszustand der Bevölkerung zu suchen.

Aufenau in Kriegs- und Notzeiten
Der zweite Weltkrieg

Wie im ersten Weltkrieg wurde die Aufenauer Bevölkerung aufgefordert, durch Sammlungen und sonstigen Abgaben die kämpfende Truppe zu unterstützen. Die Schule wurde ein Gefangenenlager, die wehrpflichtigen Männer mußten einrücken, und der Luftschutzdienst wurde organisiert. Fast täglich waren Soldaten im Dorf einquartiert. Im Jahre 1944 erfolgten die ersten Einweisungen von Evakuierten aus luftgefährdeten Gebieten. Diese Leute kamen aus Frankfurt/Main, Offenbach, Mainz, Düsseldorf, Dessau, Hamburg und Kassel. Die Gemeinde errichtete 6 Behelfsheime für die Ausgebombten.

Immer häufiger erschienen Tiefflieger, sie beschossen aber in der Hauptsache die Bahnlinie auf der anderen Seite der Kinzig. Fluchtartig mußten die Aufenauer Bauern ihre auf den Höhen liegenden Felder verlassen, weil sie von den Maschinen angeflogen wurden.

Von der deutschen Luftabwehr war nichts mehr zu merken. Die Flugzeuge nahmen nun auch die Bundesstraße 40 unter Kontrolle. Am 27. März 1945 schossen sie in Aufenau ein Wohnhaus und eine Scheune in Brand. Die Feuerwehr konnte nur noch das Wohnhaus retten.

Die Front rückte von Westen her immer näher. Die Amerikaner überschritten den Rhein, und die militärische Katastrophe zeichnete sich ab. Viele Flüchtlinge und militärische Einheiten zogen durch Aufenau zurück. Der letzte Verband von Soldaten bekam den Befehl, die Ortsverteidigung zu übernehmen.

Am Ostersamstag 1945 stießen die ersten amerikanischen Truppen entlang des rechten Kinzigufers, von Wittgenborn - Wächtersbach kommend, über Neudorf nach Salmünster vor. Aufenau wurde an diesem Tage nicht besetzt, der Ort erlitt durch Beschuß jedoch starke Schäden. Die Bewohner flüchteten in die Keller. Am Ostersonntag kam von Neudorf ein amerikanischer Panzerspähwagen, der die Kampfstärke der deutschen Truppen erkunden sollte. An der Hauptstraße bog er Richtung Wächtersbach und kam bald darauf wieder zurück. Von der Schule aus schoß ein Soldat eine Panzerfaust ab, er traf aber nicht den Kampfwagen, sondern eine Scheune, die jedoch glücklicherweise nicht Feuer fing. Nachdem sich das Fahrzeug entfernt hatte setzte stärkerer Artilleriebeschuß ein, wodurch eine Scheune zu brennen anfing. Sie konnte gelöscht werden. Daraufhin begab sich der evangelische Pfarrer zu den Amerikanern nach Salmünster - die deutschen Truppen hatten sich inzwischen abgesetzt. Mit seinem Fahrrad vor den amerikanischen Panzern herfahrend, kam der Geistliche wieder zurück, und die amerikanischen Soldaten besetzten in den frühen Morgenstunden Aufenau.

In den Monaten April bis Dezember 1945 wurden amerikanische Luftwaffenangehörige und andere Truppen in Aufenau einquartiert. Viele Bewohner mußten deshalb ihre Häuser räumen.

Schulunterricht wurde während dieser Zeit nicht gehalten. Er ruhte bis zum 24. September 1945.

Das Potsdamer Abkommen hatte zur Folge, daß aus dem Osten viele Flüchtlinge in die Westgebiete einströmten. Nach Aufenau kamen 316 Heimatvertriebene, für die das Wohnungsamt in den Häusern Zimmer beschlagnahmte. Veranlaßt durch die schlechten Arbeitsmöglichkeiten wanderten viele nach der Währungsreform wieder ab. 1952 wohnen noch 253 Heimatvertriebene in Aufenau. Ihre Eingliederung in den Wirtschaftsprozeß macht wegen der ungünstigen Lage des Dorfes ( Keine Bahnverbindung, keine Industrie im Ort ) noch große Schwierigkeiten.

Aufenau und die Dorferneuerung

In Aufenau und in vielen anderen vergleichbaren Orten hat in den letzten Jahrzehnten ein Umwandlungsprozeß eingesetzt der nicht nur das Ortsbild und Ortsgefüge wesentlich beeinträchtigt und verändert hat, sondern der auch im Lebens- und Arbeitsprozeß der Bewohner erkennbar ist.

Mit dem Einzug der Technik, dem Verlust von ländlichen Arbeitsplätzen und der Orientierung auf städtische Leitbilder in vielen Lebensbereichen, entstanden auch in Aufenau Konflikte, die nach den Verlust der kommunalen Eigenständigkeit durch die Eigeninitiative der Aufenau heute nicht mehr gelöst werden können.

Der räumliche Ausdruck einer schnellebigen Entwicklung, die von großräumigen Abhängigkeiten, von externen Entscheidungen und nicht zuletzt von einer dorffremden Baugesetzgebung geprägt wird, hat auch in Aufenau seinen Niederschlag gefunden: Funktionsverlust und Unternutzung ehemals landwirtschaftlicher Nebengebäude im Ortskern, Verlust der ortstypischen Bautradition nicht zuletzt durch zunehmende Veränderung der Sozialstruktur. Veränderte Produktionsanforderungen der Landwirtschaft und eine veränderte Wirtschaftsstruktur des Ortes sind nur einige der sichtbaren Merkmale der vorhandenen städtebaulichen Mißstände.

Auch in Aufenau hat man einfach in vielen Bereichen vergessen, welchen Sinn oder welche Qualitäten bestimmte Strukturen, räumliche Zusammenhänge und Materialien hatten und haben können und man hat aus den Augen verloren, wie man heutige zwangsläufige Veränderungen räumlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art in die bestehenden Zusammenhänge unter Wertschätzung der alten harmonisch abstimmen kann.

Die Qualitäten von Aufenau liegen auch heute noch in der Unverwechselbarkeit raumstruktureller, baulicher und landschaftlicher Besonderheiten, in der Überschaubarkeit des Ortes und der Nachbarschaften, in der Möglichkeit zur Identifikation und Zugehörigkeit, in der Maßstäblichkeit und Kleinteiligkeit.

Es ist eine Aufgabe für die Kommune, die Fachplanungsträger und Genehmigungsbehörden sowie für jeden Bürger, über die Ausschöpfung bestehender Richtlinien und Förderungen hinaus, den tragfähigen Boden für eine gesunde Entwicklung von Aufenau zu schaffen.

Die heutige Bevölkerung
Stand 1997

 
Einwohner insgesamt:  1.878 EW = 100 %
männlich gesamt 947 EW = 50,4 %
weiblich gesamt 931 EW = 49,6 %
 
Ausländeranteil 1.878 EW = 100 %
Deutsche 1.682 EW = 89.6 %
Ausländer 196 EW = 10.4 %

Die Wohndauer läßt trotz der ausgedehnten Neubaugebiete Kontinuität erkennen: 1878 EW = 100%

bis 1 Jahr 366 19.5 %
2-5 Jahre 399 21,2 %
6-10 Jahre 211 11,2 %
11-15 Jahre 185 9,9 %
16-20 Jahre 146 7,8 %
21-30 Jahre 196 10,4 %
länger 30 Jahre 375 20,0 %